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Die erste Blattjagd

Meinen kleinen Jagdhelfer und mich zog es mal wieder ins Revier. Die Blattzeit steht an und wir wollten mal schauen, ob sie schon springen. 
Mein Sohn konnte sich nichts darunter vorstellen, da er noch nie dabei war. Und es war ihm sehr suspekt, dass ich einen Bock mit etwas Pfeifen anlocken konnte, denn sonst hauen sie immer beim kleinsten Geräusch ab. 
Also ich suchte uns eine gemütliche Leiter aus und wir baumten auf. Schon beim Anpirschen der Leiter schaute ich sorgenvoll gen Himmel, da sich in der Ferne etwas zusammen braute. 
In der Hoffnung, dass das Gewitter vorbei zieht, saßen wir da nun am Waldrand und genossen den schönen Sommerabend mit Blick in die friedliche Natur und den blauen Himmel. 
Was hinter uns geschah sahen wir nicht, da der Waldrand uns den Blick verwehrte. „Los, blatte!“ flüsterte mein kleiner Jagdhelfer. Ich erklärte ihm, dass hier erst einmal Ruhe einkehren müsse, da wir hier alles durch unser Aufbaumen beunruhigt hatten. 
Nach 20 Min. Käfer, Bienen, Mäuse und Vögel beobachten, holte ich den Rottumtaler heraus und spielte die erste Serie. Ich wartete kurz, dann die zweite Serie, dann die dritte, danach wieder Ruhe. Nach Zehn Minuten kam der erste ungläubige Blick meines Sohnes ? nach weiteren zehn Minuten wiederholte ich mein Spiel .... nix. Er fragte, ob er es mal probieren könne. Ich gab ihm den Blatter und er legte los ? was soll ich sagen, säßen wir im Sumpf auf Enten an, hätten wir mit seinem Gequake beste Chancen den ein oder anderen Erpel zu schießen, aber kein Bock. 
Ich erklärte ihm, wie es besser gehen würde und es klappte dann auch ganz gut. Mit ein wenig Übung kann er nächstes Jahr der Blattmeister in unserem Revier werden?
Nach 30 Min Ruhe dann auf einmal krachen und knacken links von uns und dann sah ich auch schon ein Haupt hinter dem Hügel hervorschauen. „Er kommt“, flüsterte ich. Sofort nahm mein Sohn das Fernglas hoch und schaute. Es waren zwei Böcke, ein starker 6er trieb den jungen Gabler vor sich her. Der Getriebene stand auf 12 Uhr breit und verhoffte auf ca. 60m das Absehen auf dem Blatt. „Kannst du schießen?“ kam von rechts. Doch nein, ich konnte nicht, denn der Bock stand mitten auf einer Anhöhe ohne Kugelfang. Kurz darauf bekam er Wind und sprang ab. ,,Warum hast du nicht geschossen?“ war die erste Frage. Ich erklärte meinem Mitjäger was ein Kugelfang ist, warum er wichtig ist und wie sich das Geschoss im Wildkörper und auch danach verhält. Man muss viel beachten war sein Resümee nach meinem Vortrag und da hat er recht.

Dann wechselte eine Geis auf die Wiese die Spinne war deutlich zu erkennen und wir erfreuten uns an diesem tollen Anblick?
Plötzlich rauschte der ganze Wald, ein gewaltiger Donnerschlag ertönte, die Geis sprang ab und wir schauten uns mit großen Augen an. Hinter uns zog ein riesen Gewitter auf und wir hatten es nicht bemerkt. Also schnell runter von der Leiter und ab in Richtung Auto. Auf dem Weg dorthin fing es so sehr an zu stürmen und zu regnen, dass wir komplett nass waren und der Hut vom Juniorjäger flog hoch durch die Lüfte?
Im Auto angekommen machten wir uns so gut es ging trocken und warteten darauf, dass das Gewitter weiter zog, nach 20 Min. war auch schon alles vorbei. 

Mittlerweile war es auch schon 20.20 Uhrund nur noch eine Stunde bis Sonnenuntergang. Ich fragte meinen Sohn, was wir jetzt machen sollen. Er überlegte kurz und sagte: „ Wir gehen wieder raus, aber auf die Kanzel mit Dach (die nicht weiter weg stand als die Leiter, aber für eine andere Wiese bestimmt war und die er schon kannte) wenn es wieder regnet sitzen wir im Trockenen.“ 
Guter Junge, dachte ich mir und wir pirschten los. 
Auf dem Weg dahin sprang eine Geis ab ? irgendwie war uns Diana nicht wohlgesonnen... Egal wir baumten auf und warteten ab, nach ca. 30 Minuten trat ein Stück hervor auf ca 300-350m. Max, mein Sohn, nahm sein Fernglas hoch und ich sprach durch meine Optik an. Es war ein junger Spießer mit sehr kurzen Gehörn, ca. 1 Jahr alt. Er wechselte aus dem Nachbarrevier zu uns herüber und stand 10m hinter der Grenze. 
Max fragte: „Kannst du schießen?“ „Es ist zu weit“ antwortete ich? dann bekam ich ein Vortrag über Ballistik, er zeigte mir mit seinen kleinen Fingern, wie das Geschoss fliegen würde, wenn ich höher anhalten würde und wo ich dann theoretisch den Treffer anbringen könnte. 
Stolz war ich auf den kleinen Racker, hat er doch wohl aufgepasst als wir sein Luftgewehr eingeschossen haben und ich ihm erklärte wie die Flugbahn eines Geschosses verläuft. 
Ich erklärte ihm, dass ich es mir nicht zutrauen würde und es somit nicht waidgerecht ist, wenn ich nicht 100% sicher bin, dass ich sauber treffe und das Tier leiden könnte. 
Er akzeptierte die Antwort. 
Da! Ein weiteres Stück, diesmal auf ca. 120m. Wir sprachen an und.... wieder eine Ricke ? die Spinne deutlich zu erkennen. Wir warteten und hofften, ob nicht noch ein Bock das Spielfeld betritt, doch es tat sich nix?. Dann sagte ich zu Max: ,, Ich blatte jetzt! Wir haben nichts zu verlieren, vielleicht kommt er ja.“ Mein Sohn nickte hoffnungsvoll und schaute zum Bock der immer noch mind. 300m entfernt war. Ich legte los und spielte das Liebeslied. Der junge Bock warf sein Haupt nach oben und zog sofort in unsere Richtung. „Es klappt! Er kommt!“ flüsterte er freudig. 
Ich hörte auf und er verhoffte. Zu meinem Überraschen fand die Ricke mein sirenenhaftes Spiel wohl auch sehr anziehend und kam auch in unsere Richtung?. „Die Geis darf uns nicht mitbekommen und abspringen“ flüsterte ich, „sonst kann es sein, dass der Bock es ihr gleich tut und dann ist er fort“. Ab jetzt war nur noch Zeichensprache oder minimalflüstern erlaubt?
Ich spielte die zweite Strophe und beide zogen wieder in unsere Richtung. Der Bock stand nun auf ca. 200m, die Geis auf ca. 60m. 
Ich spielte weiter. Das Böckchen sprang nun in unsere Richtung, die Geis zog langsam auf uns zu. 
Max hauchte: „Das ist so spannend!“ Und genau das war es, in diesem Moment waren wir ein Teil der Natur, wir sprachen ihre Sprache und kommunizierten mit ihr, das wurde uns jetzt bewusst. Es war ein herrliches Gefühl, auch Max war völlig überwältigt, sein Papa konnte mit den Rehen sprechen. Kein Handy, kein Film und keine Play Station dieser Erde kann einem Kind diese Erfahrung vermitteln. Es war wunderbar und wunderschön, das mit ihm zu erleben. Die Geis war jetzt auf ca. 50m ran gekommen auf 12 Uhr.  Der Bock auf ca. 120m auf 2 Uhr, genau da wo der Einstieg der Kanzel ist und ich keine Auflage habe ? ich traute mich aber nicht noch eine Sinfonie zu spielen, ich hatte die Befürchtung, dass er das falsche Spiel erkennt und abspringt. Auch die Geis stand mittlerweile zu nah. 
Also beschlossen wir, dass Max sich nach vorne beugt und ich die zweite Hälfte der Kanzel, die nicht als Einstieg sondern als Auflage gedacht ist, auch als diese zu nutzen. Ich machte es mir bequem, ging sicher in den Anschlag, nahm den Bock ins Visier und spannte die Sauer. Da stand er- etwas spitz, aber noch vertretbar, und äugte. Es wurde ruhiger und ruhiger, die Vögel verstummten, das Summen der Insekten war nicht mehr zu hören. 
Da war er der Moment in dem die Zeit still zu stehen scheint, die Erde sich aufhört zu drehen, in dem man nichts mehr sieht oder hört und sich in der vollen Konzentration befindet, völlig fixiert auf das Ziel, um jeden möglichen Fehler zu vermeiden. Auch dem Kleinen gegenüber steht man in der Verantwortung dem Geschöpf kein Leid zuzufügen. 
Der Finger legt sich sanft an den Abzug, das Absehen ist kurz vor dem Blatt (steht etwas spitz), ein leichter Druck und das Hit-Geschoss in .308 verlässt mit einem gedämpften Knall den Lauf. Jetzt zeigt sich wie gut das Zusammenspiel zwischen Mensch und Material funktioniert. Es liegt nicht mehr in meiner Hand, das Geschoss ist unterwegs. Ich blicke durchs Feuer, ein leichtes Aufbäumen und der Bock liegt im Knall. 
Plötzlich ist alles wieder wie vorher und die Erde dreht sich weiter.
Erleichterung macht sich breit und die Anspannung lässt nach. „Toller Schuss“, lobte mich mein Sohn. Wir packten unser sieben Sachen und machten uns auf den Weg um ihn zu bergen. Wir fanden ihn auch sehr schnell, gaben ihm seinen letzten Bissen und verbrachen das Stück. Dann hielten wir inne, zogen unsere Hüte und Max sprach: „Danke lieber Bock, dass du dein Leben gegeben hast damit wir etwas zu essen haben“. Welcher 9 Jährige kann und will sich bei seinem Essen bedanken? 
Es erfüllt mich mit Stolz zu sehen wie bewusst er das Leben und die Natur in diesem Alter schon erfasst. 

Es fing wieder das regnen an, wir versorgten das Stück und mein Jagdkamerad half mir nach Kräften. Wir packten den braven Bock noch in die Kühlung und dann ging es völlig durchgefroren, da noch komplett durchnässt, unter die heisse wohlverdiente Dusche.

Waidmannsheil und Waidmannsdank?

Euer Martell & Max

Autor: Martell Göbert

Mehr Infos zum Autor finden Sie hier.

Tags: Reh, Blattjagd

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