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Ein Gams Jährling und sein Jäger

Ich möchte eine Geschichte erzählen, für die mich so mancher schon belächelt hat. Doch beschreibt sie für mich, dass Jäger zu sein viel mehr heißt als nur zu jagen. Als Ausgeher tätig in einem Revier in der Obersteiermark, passierte mir diese Geschichte in einem vernebelten April Morgen…

Während dem üblichen Revier Rundgang entdeckte ich neben einem vom Wind ausgerissen Baum eine junge Gams. Sie saß nur ein paar Meter von mir entfernt und starrte mich mit seinen großen schwarzen Augen an. Als Jäger, der diese Wildart gut kennt, ahnte ich sofort, dass mit diesem Tier etwas nicht stimmen konnte. Ich machte vorsichtig zwei Schritte nach vorne, worauf die junge Gams sofort aufstand. Im Normalfall würde ein gesundes Tier schon längst die Flucht ergreifen, nur diese blieb immer noch stehen und starrte mich weiter an. Die Situation war so ungewöhnlich, dass ich mich dazu hinreißen ließ weiter darauf zuzugehen und zu meiner Überraschung passierte etwas sehr ungewöhnliches. Das Jungtier ließ sich von mir streicheln!

Es hatte deutlich sichtbare, kleinere Verletzungen, die ich sofort untersuchte. Aus meiner Sicht waren die Verletzungen allerdings nicht so schwerwiegend, dass sie das seltsame Verhalten erklärt hätten. Für mich war das Tier eigentlich soweit in Ordnung, bis auf die Tatsache, dass es offensichtliche Anzeichen einer Durchfallerkrankung hatte. Aus Erfahrung wusste ich, dass Gämsen nach einem harten Winter sehr hungrig sind und besonders die Jungen Stücke gierig alles was sie finden und grün ist zu sich nehmen. Das führt oft zu Verdauungsstörungen und in vielen Fällen zum Tod.

 

Als Jäger wäre es meine Pflicht das Stück zu erlegen und von einem möglichen, langsamen Verenden zu erlösen. Dadurch, dass der Gamsbestand aber überall sehr kritisch ist, entschied ich mich für eine Rettung der jungen Gams. In der Hoffnung, dass ein Tierarzt helfen könnte wieder gesund zu werden, nahm ich es mit in die Tierklinik. Dort angekommen versammelte sich das gesamte Ärzteteam um zu helfen. Als erstes wurde der Gams sofort eine Infusion verabreicht, da sie sehr stark dehydriert war und in diesem Moment sah die ganze Situation sehr gut aus. Der Zustand verbessert sich leicht. Ich stand die ganze Zeit daneben und versuchte die verängstigte Gams so lange ruhig zu halten bis die Infusion angeschlossen war. Um den Stress Faktor zu reduzieren ließ man mich dann sogar mit der Gams alleine in dem Infusionsraum. Ich streichelte sie weiterhin und überlegte bereits darüber das Tier mit einer Ohrmarke zu kennzeichnen um es noch viele Jahre in meinem Revier beobachten zu können, aber der Traum war von kurzer Dauer. Ich merkte wie der Herzschlag immer langsamer wurde bis das Herz total aufhörte zu schlagen. Das Ärzteteam und ich haben uns sehr bemüht, aber am Ende leider ohne Erfolg. Auch wenn die Geschichte leider nicht mit einem glücklichen Ende ausging, ist es ein Erlebnis das zeigt wie vielfältig das Jagdleben sein kann und sie war eine Berührung mit der Natur die ich nicht missen möchte.

 

 

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Autor: Almir Begic

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