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Gämsenzählung

04:00 Uhr morgens, es ist ein kühler Sommermorgen und die Jäger des Tales treffen sich im Jägerhaus zur alljährlichen Gämsenzählung. Alle anwesenden werden in Gruppen eingeteilt und brechen dann auf um ins Gebirge zu gehen. In jeder Gruppe muss ein ausgebildeter Gamspirschführer dabei sein, da dieser ein hervorragendes Wissen über das Gelände, in dem sich die Gämsen befinden und dem Wild selbst, besitzt. Dann werden die Felswände nach Gämsen abgesucht. Wofür? Jäger machen dies um die Entwicklung, die Gesundheit, das Alter und den Bestand des Wildes zu beobachten und einzuschätzen. Unsere Gruppe hat nicht nur die Aufgabe die Gämsen zu zählen, wir müssen auch Salz für die Gämsen mit ins Gebirge nehmen, denn sie brauchen es für die Funktion von Nerven und Muskeln, zur Regulation ihres Wasserhaushalts und für den gesamten Stoffwechsel.

Ich begleite meinen Freund und den Jagdaufseher. Wir fahren bis ans Ende des Tales und starten den anstrengenden Aufstieg. Noch ist alles still und immer mehr kann die Morgendämmerung die Dunkelheit der Nacht besiegen. Einige Nebelfelder im Talkessel, in dem wir uns befinden, nehmen uns die Sicht. Aber durch achtsames abglasen der Wände mit dem Fernglas, können wir schon nach 15 Minuten drei Gämsen entdecken. Wir legen unsere Rücksäcke ab und mustern die Gämsen mit dem Fernrohr ein wenig genauer. Der Jagdaufseher stellt meinen Freund auf die Probe, da er Jungjäger ist und noch wenig Erfahrung beim ansprechen (einschätzen) von Wild hat. Das Ansprechen ist eine sehr wichtige Eigenschaft eines jeden Jägers, die er beherrschen sollte . Es sind drei Gamsböcke, die in den frühen Morgenstunden über den noch übrigen Schneeflecken schleichen. Ich schreibe auf  wo wir die drei Gämsen gesehen haben, welches Geschlecht sie haben und wie alt sie ungefähr sind.

Den Rucksack wieder auf den Buckel und der Aufstieg geht weiter. Weg gibt es keinen, nur Steine, Geröll und Felswände. Nach einer Weile lässt die Sonne das Erste Mal einige Sonnenstrahlen auf uns herab. Der Aufstieg ist anstrengend, aber oben angekommen steigt ein Gefühl der Zufriedenheit in mir auf und ich denke: „Es lohnt sich immer wieder.“ Der Anblick der Umgebung, der Sonnenaufgang, die Ruhe - einfach unbeschreiblich schön.

Wieder nehmen wir das Fernglas in die Hand, um nach anderen Gämsen zu suchen. Ein weiterer Bock sitzt einige hundert Meter unter uns und genießt, so wie wir, die Sonne. Wir gehen ein Stück weiter und über uns bekommen wir eine Gamsgeiß zu sehen. Sie hat uns ebenfalls entdeckt und da Gämsen ein Pfeifgeräusch von sich geben wenn sie sich bedroht fühlen, pfeift sie uns entgegen und verschwindet wieder.

Wir lassen uns auf dem Grad des Berges nieder und beobachten eine große Felswand gegenüber. Im Verlauf des Tages bekommen wir fünf weitere Gämse zu sehen, alles Gamsböcke. Zweit von ihnen sind verletzt und schwer krank. Der verletzte Bock hat eine Verletzung am Hinterbein und der kranke Bock sitzt in einer sehr tückischen Felswand. Er ist abgemagert, sehr schwach und humpelt. Diese zwei Böcke könnte man durch einen Schuss von ihrem Leid erlösen, doch niemand von uns hat ein Gewehr dabei. Dem Jagdaufseher wäre es erlaubt die Kranken Stücke außerhalb der Jagdzeit von Gämsen zu erlegen. Da der Abschuss an sich nicht alles ist, das die Jagd ausmacht, sind wir Jäger aber nicht immer mit dem Gewehr im Revier unterwegs. Bevor wir wieder ins Tal zurückkehren, mauern wir aus Steinplatten eine Salzlecke für die Gämsen und legen dann das Salz für sie ein.

 

17:00 Uhr, die Jäger treffen sich wieder im Jägerhaus. Alle Gruppen geben den Jagdaufsehern und dem Revierleiter die Notierten Informationen, die sie gesammelt haben. Wir erzählen uns gegenseitig was wir erlebt und entdeckt haben und lassen den Tag bei einem gemütlichen Beisammensitzen und einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. 

Autor: Nicole Santer

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