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Die Grenzen des Machbaren – Das Dilemma der Jagd

Die Grenzen des Machbaren bei der Jagd haben sich verschoben. Einerseits nimmt die jagdliche Herausforderung zu, es wird beispielsweise immer schwieriger die wachsenden Rot- und Schwarzwildbestände zu regulieren, andererseits nimmt die handwerkliche Fertigkeit des „modernen“ Jägers ab. Die seit einiger Zeit stattfindende technische Aufrüstung in der Jagd, in Richtung Jagd 4.0, schließt diese größer werdende Lücke allerdings nicht. Im Gegenteil: Viel High Tech im jagdlichen Einsatz erfordert zunächst noch mehr jagdliches Wissen und noch mehr handwerkliche Fertigkeit. Sonst geht der „Schuss ins Knie“.

Die neuen Grenzen des Machbaren resultieren auch aus einer Veränderung der Jagd insgesamt. Gesellschaftlicher Wandel macht vor der Jagd nicht halt. Längst hat sich die Jagd gesellschaftlich deutlich verschoben. Während die traditionelle Jagd stark ländlich verwurzelt ist und auch eine hohe öffentliche Akzeptanz des Jägers im ländlichen Raum bedeutet hat, definiert sich die moderne Jagd wesentlich urbaner und die öffentliche Akzeptanz in der Gesellschaft sinkt. Der Jäger ist nicht mehr der Herr des Waldes, sondern unter Umständen sogar ein, als lästig und störend empfundener, Mitnutzer des Freizeitraumes Natur und Wald. Naturraum und Wald stehen in der modernen urbanen Gesellschaft besonders hoch im Kurs.

 

Dem traditionellen Jagdhandwerk, das unter anderem besonderen Ausdruck im gebrauchsfähigen Jagdhund gefunden hat, wird weniger nachgekommen und der Jagdhund 4.0 wird durch Wärmebild und Drohne kompensiert. Fundiertes Handwerk braucht ausreichend Zeit. Und die Zeit in der Jagd wird immer knapper. Schneller Erfolg ist gefragt. Die traditionelle Jagd ist eine ziemlich männliche Angelegenheit und das gedankliche Bild der traditionellen Jagd in unseren Köpfen lässt den alten wettergegerbten Jäger assoziieren. Auch dieses Bild ist massiv im Wandel. Der moderne, urbane Jäger ist deutlich jünger und häufiger weiblich. Gender-Shift in der Jagd? Das ist gut so, vor allem für eine positive Imagepolitur der Jagd.

 

Trophäenjagd wird kritischer beäugt und zwar nicht nur von der Gesellschaft. Modern ist auch ein neues Tierbild und es geht bei der Jagd häufiger ums Fleisch. Die Trophäe wird von der Hauptsache zum Nebenprodukt.

 

Die Botschaft „Jagd in Veränderung“ ist beim traditionellen alten Jäger vielfach noch nicht angekommen. Ungläubig, teilweise abwehrend und irritiert reagiert das traditionelle „Jagdsystem“ auf diese neuen Facetten der modernen Jagd, auf den zunehmenden Abschussdruck, auf Forderungen nach mehr Transparenz und Ehrlichkeit, auf das Mitreden der nichtjagenden Bevölkerung in Angelegenheiten der Jagd und, und, und.

 

Eine Experten-Befragung von österreichischen Berufsjägern bringt das Dilemma des Wandels in der Jagd klar auf den Punkt. Die Kernergebnisse: Der natürliche Lebensraum für Wildtiere wird kleiner und eingeschränkter (wiewohl die Bestände zunehmen). Es braucht mehr Professionalität im Jagdbetrieb. Viel handwerkliches Wissen geht verloren. Mit anderen Worten: Die Herausforderungen und Anforderungen in der Jagd haben zugenommen, aber die Qualität der Jäger nicht in diesem Ausmaß.

 

Es gibt ein deutliches handwerkliches Dilemma. 30 Prozent der Jäger tun sich schwer mit der Ansprache des Wildes vor dem Schuss. 41 Prozent setzen auf Jagd in der Nacht (und nicht nur beim Schwarzwild). 32 Prozent erfüllen den Abschuss nicht.

 

Vermutlich resultiert dieses Dilemma aus einerseits zu wenig Zeit für die Jagd, andererseits sind bestehendes Regelwerk und Rahmenbedingungen neu zu evaluieren. Das Spiel mit roten und grünen Punkten, eine Tradition der Bewertungskommission, ist wohl eher überholt. So manche Altersklasseneinteilung, erscheint wenig sinnvoll bzw. praktikabel.

 

Bemerkenswerterweise gilt nahezu das gesamte Bemühen (des Systems Jagd) den Trophäenträgern, bei den weiblichen Stücken ist kaum Selektion angesagt. Diese Einseitigkeit bestätigt sich auch interessanterweise bei Nachsuchen. Nachsuche-Statistiken belegen, dass üblicherweise fast ausschließlich bei Trophäenträgern Nachsuchen durchgeführt werden, es scheint die Trefferqualität bei weiblichen Stücken besser zu sein. Viele Fragen tun sich auf und neue Antworten werden erforderlich.

 

Weniger Zeit für die Jagd ändert das „Revierverhalten“ und die handwerkliche Qualität des Jägers. Moderne Technologien, die seit geraumer Zeit auch die Absatzrenner im Jagdfachhandel sind (Nachtoptik), kompensieren handwerklichen Qualitätsverlust nicht.

 

Qualitätssicherung beim Jagdbetrieb ist ein brisantes Thema geworden, das Aus- und Weiterbildung sowie Jagdpraxis umfasst. Die Jagdhandwerks-Defizite werden mehr und es braucht Antworten darauf.

 

Ein Vortrag zur Jagd - geschrieben von Prof. Dr. Werner Beutelmeyer

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